Chasing Ice Klimaexpedition III - Pure-Landscapes

Chasing Ice

Teil Drei - Arktischer Gletscherschwund

1990 durfte ich eine Expedition im Osten und im Westen der grönländischen Küste mit meiner Frau und einem Freund unternehmen. Als größte Insel der Welt mit ca. 2 Mio. km2 ist sie zu 90% vom Inlandeis bedeckt, das bis zu 3 km dick ist und sich in enormen Gletscherströmen ins Meer entlädt. Einer dieser Ströme ist der "Sortebrae" in Ostgrönland.

  • Greenland Map Sortebrae
  • Greenland Map Sortebrae 2

Der Ausschnitt links, vermutlich aus 2013, stellt dieselbe Region des Sortebrae dar, die wir 1990 beim Überflug fotografierten: Nichts ist geblieben von der Vereinigungszone des Nebengletschers, die wie ein riesieger Lappen in den Hauptgletscher hineinragte.

  • Greenland Map Sortebrae 3
  • Sortebrae glacier in East Greenland, Blosseville Kyst

Etwas weiter südlich in Ostgrönland liegt der Sermilikfjord, der vom Midgaard Gletscher mit Eisbergen versorgt wird.

  • Greenland Map Sermilik 1
  • Greenland Map Sermilik 2

Das Photo rechts von 1990 zeigt, dass seit 1933 - Gletscherstand unserer Gebietskarte - ca. 20 km des hunderte Meter dicken und viele Kilometer breiten Gletschereises des Midgaardgletschers verschwunden sind.

Sermilik 1933 - 1990

Noch dramatischer erscheint der Eisverlust, wenn man den produktivsten Gletscher Grönlands betrachtet: Der Jakobshavner Eisfjord in Westgrönland. Das Inlandeis mündet ca. 50 km vom Meer entfernt in den Fjord und füllt diesen dicht mit Eisbergen an.

Die Eisberge sind bis zu 120 m hoch und tauchen hunderte Meter unter die Meeresoberfläche. Der Jakobshavner Gletscher schiebt sich ca. 45 m pro Tag (!) auf einer Breite von 15 km mit einer Dicke von 700 m in den Fjord.

Jakobshavn Isfjord 1990

Seit dem Höchststand während der Kleinen Eiszeit 1850 hat sich die Gletscherfront um 37 km zurückgezogen. Beachtenswert ist, dass davon 12 km auf die Jahre seit 2001 entfallen!

  • Jakobshavn Isfjord 1850 - 2007

In Grönland wirkt sich die Klimaerwärmung bereits so stark aus, dass es zum ersten Mal seit Aufzeichnungen zu einem völligen Anschmelzen des gesamten Inlandeises kam.

Die Schmelzzonenverteilung in rot zeigt, dass das Gebiet jedes Jahr weiter ins Landesinnere wandert und 2012 das gesamte 3000m hoch gelegene Hochplateau erreicht hatte.

Der Naturfotograf James Balog ist dem Eis der arktischen Gletscher in Alaska und Grönland seit 2006 mit permanent installierten Kameras auf der Spur, um die berührenden Zeitraffer und Videosequenzen des Schmelzens des "Ewigen Eises" dokumentarisch festzuhalten. Sein TED Vortrag und der mit dem Emmy Award prämierte Film "Chasing Ice" sind beeindruckende Bilder einer Welt in fundamentalem physikalisch - atmosphärischem Umbruch.

Nachhaltiges Leben für 7 Milliarden Menschen, die sich alle 35 Jahre verdoppeln, erfordert grundlegende Änderungen der Lebensweise: Eine bis dato nicht bekannte Herausforderung über alle Nationen hinweg.

Wind turbines above fog layer, Fischbacher Alpe, Austria

Um die Erde brauchen wir uns keine Sorgen zu machen, aber die menschenbedingten Veränderungen verantworten ein in allen Biosphären feststellbares Artentsterben, zu dem sich die Menschheit selbst wohl nicht zählen möchte. Hochkulturen viel kleineren Ausmaßes sind vergangen, weil sie sich nicht an Veränderungen anpassen konnten oder wollten ... . Migrationen laufen schon jetzt ab und durch die Größe der Weltbevölkerung stehen wir mitten in einem Prozess unbekannten Ausgangs. Auch das ist nichts Neues: Leben war und ist immer spontan, risikoreich und unvorhersehbar. Neu ist, dass wir uns als vernunftbegabte Wesen selbst an den Rand drängen, und nichts dagegen tun.


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